PRESSEMITTEILUNG – Deutsche Praxisklinikgesellschaft (PKG)
PKG fordert Reformen bei Kliniken und Kassen statt einseitiger Gebühren
Die von DKG-Chef Gerald Gaß vorgeschlagenen neuen Gebühren und Zuzahlungen im Gesundheitswesen stoßen bei der Deutschen Praxisklinikgesellschaft (PKG) auf eine differenzierte und kritische Bewertung. Kontaktgebühren beim Arzt können EIN Instrument zur Steuerung sein. Sie ersetzen jedoch keine notwendigen Strukturreformen. Höhere Zuzahlungen für Notaufnahmen und Krankenhausaufenthalte sowie pauschale Leistungskürzungen greifen aus Sicht der PKG zu kurz und verlagern Verantwortung einseitig auf Patientinnen und Patienten.
„Alle Seiten müssen ihren Beitrag zur Kostendämpfung leisten“, erklärt Stefan Elmshäuser, Geschäftsführer der Deutschen Praxisklinikgesellschaft. „Eine Kontaktgebühr kann helfen, unnötige Arztkontakte zu reduzieren. Sie darf aber nicht zum politischen Feigenblatt werden, hinter dem sich strukturelle Ineffizienzen bei Krankenhäusern und Krankenkassen verstecken.“
Wer nachhaltig sparen wolle, müsse dort ansetzen, wo die größten Kostenblöcke entstehen: bei überholten Krankenhausstrukturen, vermeidbaren stationären Aufenthalten, Doppelvorhaltungen sowie bei hohen Verwaltungs- und Bürokratiekosten der Krankenkassen.
„Kostensteuerung funktioniert nur, wenn sie fair verteilt ist“, so Elmshäuser weiter.
„Patientinnen und Patienten können nicht allein die Rechnung für ein System bezahlen, das an vielen Stellen selbst zu ineffizient arbeitet.“
Einsparpotenziale liegen bei Strukturen – nicht nur bei Patienten
Die Deutsche Praxisklinikgesellschaft (PKG) sieht erhebliche Einsparmöglichkeiten dort, wo bislang zu wenig Reformdruck ausgeübt wird. Kostensteuerung kann nicht einseitig über Patientinnen und Patienten erfolgen – sie muss alle Akteure des Systems in die Verantwortung nehmen. Dazu gehört auch eine ehrliche Debatte über Eigenbeteiligung, aber ebenso über strukturelle Ineffizienzen bei Krankenhäusern und Krankenkassen.
Die PKG betont: Eigenbeteiligung kann ein legitimes Steuerungsinstrument sein, wenn sie zielgerichtet, sozial ausgewogen und systemisch eingebettet ist.
„Es ist richtig, dass Leistungen nicht völlig entkoppelt von Verantwortung erbracht werden dürfen“, erklärt Stefan Elmshäuser, Geschäftsführer der Deutschen Praxisklinikgesellschaft. „Kontaktgebühren könnten helfen, unnötige Inanspruchnahme zu reduzieren – insbesondere bei Notaufnahmen, die häufig ohne medizinische Notwendigkeit aufgesucht werden.“
Dabei sei jedoch klar zu differenzieren:
„Wenn vorab über die telefonische Beratung 116117 eine medizinische Notwendigkeit festgestellt wird, ist die Situation eine völlig andere. Steuerung darf nicht bestrafen, sondern lenken.“
Gleichzeitig warnt die PKG davor, die Gebührenfrage ideologisch zu überhöhen oder als Ersatz für Strukturpolitik zu missbrauchen.
„Es hilft niemandem, reflexhaft in politische Lager zu verfallen oder die Debatte moralisch zu verengen. Eigenbeteiligung allein löst kein strukturelles Problem – sie kann nur ein Baustein sein.“
1. Krankenhausstrukturen
Im Krankenhausbereich liegen die größten kurzfristig und nachhaltig wirksamen Einsparpotenziale:
Konsequente Ambulantisierung medizinisch geeigneter Leistungen statt unnötiger stationärer Aufenthalte
Reduktion vermeidbarer Kurzlieger und Fehlbelegungen, die primär zur Auslösung kostenintensiver DRGs führen
Systematische Implementierung bereits erfolgreicher Praxisklinik-Modelle an Krankenhäusern, um stationäre Strukturen gezielt zu entlasten
Strukturelle Bereinigung bei Bettenkapazitäten, Vorhaltekosten und dauerhaft ineffizienten Standorten
„Hier werden jedes Jahr Milliarden gebunden, ohne dass sich die Versorgungsqualität entsprechend verbessert“, so Elmshäuser.
2. Verwaltungskosten der Krankenkassen
Auch die Krankenkassen müssten sich einer ehrlichen Effizienzdebatte stellen. Trotz Digitalisierung, Kassenfusionen und zentraler IT-Strukturen steigen die Verwaltungsausgaben seit Jahren – bei gleichzeitig wachsender Bürokratie für Leistungserbringer.
„Mehr als 90 Krankenkassen, parallele Vorstände, Marketingbudgets sowie komplexe Genehmigungs- und Prüfverfahren – das ist kein nachhaltiges Effizienzmodell“, kritisiert Elmshäuser.
„Bevor Versicherte stärker in die Finanzierung einbezogen werden, müssen die Krankenkassen ihre eigenen Strukturen konsequent verschlanken.“
Aus Sicht der PKG gehören dazu:
Reduktion redundanter Verwaltungsstrukturen und Gremien
Vereinfachung und Standardisierung von Prüf- und Genehmigungsverfahren
Konsequente Digitalisierung ohne Parallelbürokratie und Medienbrüche
Klare Fokussierung auf Versorgung statt Verwaltung um ihrer selbst willen
Kostensteuerung im Gesundheitswesen funktioniert nur, wenn sie fair verteilt ist.
Eigenbeteiligung kann Teil der Lösung sein – aber nur, wenn gleichzeitig Strukturen reformiert, Fehlanreize beseitigt und Ineffizienzen bei Krankenhäusern und Krankenkassen konsequent abgebaut werden.
Oder zugespitzt:
„Wer nur an Gebühren dreht, ohne Strukturen zu ändern, verlagert Kosten – statt sie zu senken.“
Über die PKG
Die Deutsche Praxisklinikgesellschaft e.V. (PKG) vertritt die Interessen ambulanter und praxisklinischer Leistungserbringer in Deutschland. Sie setzt sich für eine moderne, sichere, effiziente und patientenorientierte Versorgung ein.
Mit freundlichen Grüßen
DIPL. KFM.
STEFAN ELMSHÄUSER
Geschäftsführer
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elmshaeuser@pkgev.de
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Deutsche Praxisklinikgesellschaft (PKG) e.V.
c/o Praxisklinik Charlottenburg
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