Kolumne

Zum BAO-Workshop am 12.09.2021, von Jörg Hennefründ

Der Sonntag auf dem NARKA war ein dejá vu der 90er Jahre:

Gesellschaft, G-BA, insbesondere die dortigen Patientenvertreter haben die postoperative Schmerztherapie als verbesserungswürdig identifiziert. Und so hat dies ausdrücklichen Eingang in die QM-Bestimmungen des G-BA gefunden. Dass es dort Bedarf geben dürfte, ist aus wenigen Daten aus Krankenhäusern bekannt. Und bei den operierenden Vertragsätzten?

Wir mussten in den 90er Jahren belegen, dass wir mit Ambulantem Operieren, nicht die Patienten gefährden (Ja, wurde damals tatsächlich behauptet). So haben wir Daten gesammelt und auf unseren Kongressen vorgetragen. Insbesondere wurde mit AQS i eine Qualitätssicherung geschaffen, die bis heute als einzige auf Patientenantworten baut, während sonst immer die operierende Institution die Dateneingabe vornimmt. Und im Gegensatz zum normalen QM, das meist nur eigene Patienten erfasst, gibt es hier einen externen benchmark, der uns seit Jahrzehnten (!) zurückgespiegelt wird. Das blieb nicht ohne Folgen: 98% der ambulant operierten Patienten sind mit der Praxis zufrieden.  Bei Befragungen der AOK und TK bei stationären gelten über 80% Zufriedenheit als Erfolg.

Wir wissen dies, da wir aber nicht universitäre Publikationsmechanismen haben, sind diese Fakten über Literaturrecherchen nicht zu finden und damit für die politische und wissenschaftliche Wirklichkeit inexistent.

Das Gleiche dürfte für die postoperativen Schmerzen gelten: wenn man ein Schmerzproblem nicht durch Verlegung auf die Station delegieren kann, überlegt man sich vorab, wie man das Problem besser vermeidet. Dann bekommt man das Aufwachbett schneller frei, kann früher nach Hause und bekommt nachts auch weniger Patientenanrufe. Vulgo: wir vertragsärztlichen Operateure sind überzeugt, dass wir das gut im Griff haben. Aber können wir das auch belegen? Und gibt es trotzdem noch Verbesserungspotential?

Das müssen wir analysieren und publizieren, auch wenn es mühsam ist. Es ist unsere fast einzige Chance in der Diskussion mit Politik und Kostenträgern in der aktuell extrem harten Atmosphäre.

Mussten wir also in den 90ern mit Daten belegen, dass wir die Patienten nicht gefährden, so brauchen wir dies jetzt, um für Gelder und gegen unnötige Auflagen zu kämpfen. Die Mittel sind die gleichen: Qualitätssicherung mit externen benchmarks, Rückkoppelung und Patientenfokussierung gelten als neueste Forderungen.  Wir waren und sind mit AQS I der Zeit weit voraus.

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